Variationen zur Bundespräsidentenwahl

Es geht um die Werte bei der diesjährigen Bundespräsidentenwahl. “Unser Handeln braucht Werte” plakatiert der amtierende Bundespräsident Heinz Fischer. “Ohne Mut keine Werte” die Konkurrentin Barbara Rosenkranz. Werte spielen offenbar eine wichtige Rolle, soweit ist man sich einig. Die Christen (Rudolf Gehring) gehen sogar noch einen Schritt weiter, auf deren Homepage liest man: “Leben. Werte. Zukunft.” (Hätte das mal lebenswerte Zukunft heißen sollen??)

Interessant finde ich, dass “Werte” so abstrakt plakatiert werden, aber nicht diskutiert. Wenn man wissen will, was gemeint ist, muss man schon auf den Websites nachschauen. Man kann aber auch schauen, was mit den Plakaten im öffentlichen Raum so geschieht:

Es geht aber auch dezenter. Viele Rosenkranz-Plakate wurden ja um einen schwarzen Punkt ergänzt, es geht auch mit einem roten:

Offenbar glaubt man der Dame nicht. Es gibt auch Leute, die behaupten, für Heinz Fischer könnte man dasselbe plakatieren. Aber die Werte werden noch immer nicht verhandelt, eine Fernsehdiskussion fand zwar statt, aber ohne Fischer.

Bleibt wirklich nur mehr die Website. Bei Rosenkranz wird man zumindest schnell fündig, was denn mit ihrem Plakat gemeint ist:

Ohne Mut keine Heimat. Das ist also der Wert, für den man mutig sein muss: Heimat.

Bei Gehring ist es dann gleich ein Wertefundament: Er sei “tief in jenem abendländischen Wertefundament verankert, das Österreich braucht, um der Herausforderung und Bedrohung durch einen immer aggressiver werdenden Islamismus entgegenzutreten!” Was denn jetzt abendländisch heißt, darüber kann man diskutieren – aber immerhin hat man mal ein Feindbild definiert.

Und zu guter Letzt noch Heinz Fischer:

Zusammenhalt Gleichheit Sicherheit Ehrlichkeit Rechtsstaatlichkeit Menschenwürde Anstand Leistung Nachhaltigkeit Gerechtigkeit Freiheit

11 gleich (warum hat er es nicht bis zur perfekten Zahl 12 geschafft? Schön auch, dass er Rechtsstaatlichkeit und Gerechtigkeit trennt – offenbar meint er soziale Gerechtigkeit, dafür sind sich dann Gleichheit und Rechtsstaatlichkeit wieder sehr ähnlich), aber egal, da ist für jeden was dabei – bloß die Heimat fehlt.

Es findet keine Bundespräsidentenwahl statt am Sonntag, weil es keine Auswahl gibt. Demokratie als Wettstreit von Ideen kann es nur geben, wenn man auch wählen kann. Ich finde nicht, dass dieser Wahlkampf dieses Kriterium erfüllt.  Ein Kandidat der Mitte, der gewinnen wird, zwei radikale Positionen, die man teilen kann oder auch nicht, aber eine konstruktive Auseinandersetzung fand kaum statt.

1 Kommentar

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Eine Antwort zu Variationen zur Bundespräsidentenwahl

  1. Höhere Mathematik:
    Wenn sagen wir, einmal grob und großzügig geschätzt jeder 2te Österreicher gegen den Vertrag von Lissabon ist und man versammelt 182 Österreicher in einem Kasperltheater am Wr. Ring. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass alle 182 für den Vertrag von Lissabon sind? 1 zu 2 hoch
    182, das heißt 1 zu einer 4 mit 54 Nullen hinten dran. So groß ist die Chance, dass wir in einer Demokratie leben.

    Drum Rosenkranz ist der letzte winzige Rest von Demokratie in diesem Land. Sie war die 183te

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